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- Das Miniaturhaus von Archanes -

Pavillon

Tonmodell von Archanes

Bei Ausgrabungen in der minoischen Stadt Archanes auf Kreta wurde 1970 das gut erhaltenen Tonmodell eines Hauses gefunden. Mit 31 x 28 cm Außenabmessungen findet das kleine Häuschen gerade auf einem DIN A3 Papierbogen Platz. Das Modell ist in MMIIIa Kontext gefunden worden: das heißt es ist irgendwann in der Zeit um 1600 v. Chr. entstanden. Es ist deshalb so bemerkenswert, weil es sehr genau den gesamten Aufbau eines minoischen Hauses vorführt - wenn auch eben "modellhaft" vereinfacht.

Grundriss des Obergeschosses

Grundriss des Obergeschosses

Grundriss des Erdgeschosses

Grundriss des Erdgeschosses

Der Erhaltungszustand des Hausmodelles von Archanes lässt eine Gesamtrekonstruktion zu, denn das Obergeschoss ist bis zur Brüstungshöhe erhalten.

Gesamtrekonstruktion des Hausmodelles
Gesamtrekonstruktion des Hausmodelles

Gesamtrekonstruktion des Hausmodelles
Gesamtrekonstruktion des Hausmodelles

Die detailfreudige Ausarbeitung des Tonmodelles erlaubt darüberhinaus eine "Übersetzung" in real gebaute Architektur - zumindest als "virtuelles" Planspiel.

Gesamtrekonstruktion des Hausmodelles
Gesamtrekonstruktion des Hausmodelles

Erstaunlicherweise sind beim Tonmodell von Archanes Obergeschoss und Erdgeschoss grundverschieden angelegt. Die Raumaufteilung unten wiederholt sich im ersten Stock nicht. Stattdessen überspannt dort eine großzügige und luftige Halle ähnlich einem Belvedere oder eine Loggia die gesamte Länge des Hauses; noch nicht einmal die Grundrichtung dieses "Penthouse's" ist aus dem Grundriss unten abzuleiten.

Eine Besonderheit ist der kleine hängende Balkon. Derartige für das Aussehen eines Hauses wichtige Einzeteile sind wohl bei kaum einer Ausgrabung aus einem der dort gefundenen "realen" Grundrisse abzulesen - und seien sie noch so gut erhalten.

Auch im Erdgeschoss selbst sind einige Einbauten als Raumtrenner und Durchgänge eingefügt, wo man sie niemals vermuten würde, fände man einem Gebäude desselben Bautyps nur die Fundamentlagen des Steinsockels.

Gesamtrekonstruktion des Hausmodelles

Die Ritzungen und Einkerbungen in den Wänden des Tonmodelles lassen - mit einiger Phantasie - Rückschlüsse auf die Bauweise erkennen. Über einem unteren Steinsockel ist offenbar ein Holzankerwerk errichtet, dessen Zwischenräume mit einem massiven Material geschlossen sind; gut vorstellbar sind Lehmziegel oder Stampflehm. In das hölzerne Rahmenwerk sind die Kastenkonstruktionen der Fenster und Türen eingepasst.

Ein Holzankerwerk benötigt zu seiner Stabiltät immer auch die geschlossene Wandfüllung. Sie ist nur hier im unteren Bild zur Verdeutlichung der Konstruktionsweise weggelassen.

Bemerkenswert erscheinen die massiven steineren Verstärkungen aller Gebäudeecken über die gesamte Höhe des Erdgeschosses wie überhaupt die stabile und beinahe schon freitragende Konstruktion des hölzernen Rahmenwerkes.

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