Faustkampf fausthoher Männchen

3. Jahrhundert v. Chr.


Wie eine flott gezeichnete Karikatur erscheint auf den ersten Blick der Boxkampf zweier buckliger Männer auf der Erlanger Hadra-Hydria. Dahinter verbirgt sich zunächst ein Wortspiel, denn im Griechischen bedeutet "Pygme" zugleich "Faust" und "Faustkampf", "Pygmaios" aber ist nur eben so groß wie eine Faust.
Diese Hydria aus Alexandria diente nicht als Wasserkrug, sondern als Urne in einem Grab. Uns erscheint heute befremdlich, weshalb ausgerechnet hier ein simpler Wortwitz bildlich wiedergegeben sein sollte. "Pygmaioi" werden seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. in der griechischen Kunst dargestellt. Sie sind der Sage nach tief im Afrika zu Hause und tragen dort Jahr für Jahr einen erbitterten und verlustreichen Kampf gegen Kraniche aus. Ebenfalls missgestaltet oder dumm stellten sich die Griechen auch Harpokrates und andere göttliche Wesen vor, die sie in Mysterienkulten als Nothelfer verehrten. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass sich auch mit der Darstellung der missgestaltigen Männchen bestimmte Heilserwartungen verbanden.
Noch heute gilt es mancherorts als glückbringend einen Buckligen zu berühren.

Wissenwertes Virtuelles Museum Photosammlung English Version
Post
Martin Boss
Schreiben Sie uns doch einfach einmal, wie Ihnen dieses virtuelle Museum gefällt oder was wir noch verbessern sollten.

archaeology home Klassische Archäologie | Philosophische Fakultäten Philfak home
aktualisiert am 4. April 2008 um 16:30 Uhr